Wellness und Entspannung in der ehemaligen DDR

Der „Tag der deutschen Einheit“ ist traditionell durch Rückblicke geprägt. Dieses Jahr schaue ich auch zurück: Auf die ostdeutschen Erholungsangebote.

Für mich als „Kind der ehemaligen DDR“ ist es immer wieder spannend, den Alltag dieser Zeit retrospektiv zu entdecken. Der Umbruch kam, als ich gerade sieben Jahre alt war, schon alt genug für einige Erinnerungsbrocken, aber zu jung, um wirklich eine klare Vorstellung von dem Leben im „Osten“ zu haben. Mittlerweile sind viele meiner Fragen beantwortet, aber gestern nach der Yoga-Stunde in meinem Stammstudio kam mir in den Sinn, wie Entspannung und Sport wohl in der ehemaligen DDR aussahen. Also rief ich meine Mutter an und fragte: Gab es Wellness in der DDR? Die Reaktion: Spontanes Lachen.

Natürlich gab es  „Wellness“ in der heute bekannten Form nicht, aber Erholung und Entspannung, derartige Dinge kannte man im Osten genauso wie im Westen, nur eben unter anderen Namen und meistens leider staatlich kontrolliert. So war die Sauna durchaus beliebt, um gesund und fit zu bleiben. Sehr verbreitet war auch der eigene Garten. Hier fand man sich in Gemeinschaft, entspannte und baute „nebenbei“ Gemüse und Obst an, um der Mangelwirtschaft entgegenzuhalten. In vielen Familien war dieser kleine Fleck Erde mit obligatorischer „Laube“ darauf Dreh und Angelpunkt der privaten Erholung. (Eines darf hier jedoch nicht verschwiegen werden: Der Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter (VKSK) war die Kontrollstelle, die auch diese Form der Freizeit-Erholung überwachte. Es war zum Beispiel unter dem VKSK nicht nur Kür, im eigenen Garten zu ernten, sondern auch Pflicht, um zur „Produktion“ beizutragen.)

Allgemein lässt sich sagen: Das „Wellness-Programm“ im Osten war eher naturverbunden. Soweit es möglich war, bewegte man sich draußen, fand Erholung im Wandern und Radfahren. Im Herbst stand die Pilzsaison an, einmal mehr ein Grund, sich in der Natur zu bewegen.

Urlaub wurde vor allem an der Ostsee gemacht. Eine weit verbreitete Erholungsform war das „Zelten“. Auch hier zeigt sich wieder der Hang, heraus zu kommen aus den Städten und der politischen Kontrolle, obwohl man der ja trotzdem so gut wie nie entfliehen konnte. Die „gesetztere“ Zielgruppe ging oft etwas komfortabler „Campen“, denn das hieß meistens, dass man über einen Campingwagen nebst Trabi, Wartburg oder vielleicht sogar Lada (man bedenke die langen Wartezeiten…) oder zumindest ein größeres Zelt verfügte. Anderweitige Erholungspläne mussten zunächst vom FDGB-Feriendienst genehmigt werden: Die Abteilung des „Freien deutschen Gewerkschaftsbunds“ teilte Urlaubsplätze zu und sorgte so für dioe planmäßige Erholung der Bevölkerung. Für die weitere Verteilung von Hotelbetten und Bungalows waren Betriebe und andere staatliche Institutionen verantwortlich.

Mehr Informationen zum Alltag und zu anderen Aspekten der ehemaligen DDR bietet die Bundeszentrale für politische Bildung.

Lesen Sie morgen bei Wellnesskomplett wie es um die Fitnessangebote in der Ex-DDR bestellt war.