Zen-Meditation: Ein Selbstversuch

Vollkommen überfordert von meinen unzähligen unnötigen, wirren Gedanken und Sorgen, beschloss ich mal meinen Geist zu lehren und mich auf die Suche nach innerem Frieden zu machen. Dabei bin ich auf die Zen-Meditation gestoßen und besuchte eine Einführungsveranstaltung in einem Zen-Dojo.

Zen-Meditation: Ein Selbstversuch

Die Einführung

Die Einführung fand an einem Sonntagabend statt und wurde von Männern in buddhistischen Gewändern vollzogen. Sie erzählten uns Teilnehmern allerhand interessante Fakten zum Zazen, was eine uralte Meditationstechnik ist: wie genau es funktioniert, wie man sitzt, atmet, was wir mit unseren Händen machen sollen, was man tut kann, falls der Fuß beim Zazen einschläft und vieles mehr. Da es sich bei dieser Meditation um eine Technik handelt, die auf Praxis und Übung beruht und kaum durch Erzählungen nahe gebracht werden kann, legten wir bald mit dem Zazen los.

Zazen, Zafu und viel Zeit

Zunächst suchte sich jeder ein Zafu aus, ein Kissen auf dem man die nächsten 45 Minuten auf dem Fußboden verweilen wird. Jeder drehte sich zur Wand und nahm eine Meditationsstellung ein, die sich durch einen geraden Rücken, den Lotus-oder Schneidersitz und einen ganz leicht gesenkten Kopf auszeichnet. So verharrten wir 45 Minuten. Schweigend, atmend und ohne uns zu bewegen. Es war definitiv schon eine Herausforderung so lange absolut still zu sitzen und eine Wand anzustarren! Nach einer Dreiviertelstunde und dem gescheiterten Bemühen an nichts zu denken, bzw. meine Gedanken hinzunehmen und sie gehen zu lassen, folgte eine Gehmeditation. Hierzu gingen wir im Gleichschritt durch den Raum. Ich schätze das nahm in etwa 15 Minuten in Anspruch. Schließlich nahmen wir wieder auf unseren Zafus Platz und meditierten erneut 45 Minuten. Es war hart! Im Laufe der zweiten Meditation im Lotussitz gelang es mir immer besser meine Gedanken anzunehmen und gehen zu lassen, auch wenn zwischendurch viele Gefühle in mir hochkochten und ich zwischenzeitlich überlegte aus dem Raum zu laufen, weil ich diese Wand einfach nicht mehr sehen konnte.

Nach der Meditation ist vor der Meditation

Insgesamt musste ich feststellen, dass ich nach meinem ersten Zazen tatsächlich entspannter war. Wenn man sich darauf einlässt, kann man sehr viel aus einer solchen Meditation ziehen. Der Ansatz Gedanken nicht zu bewerten und ziehen zu lassen, hat mich auch nach dieser Erfahrung nachhaltig beeinflusst und einige wirre Gedanken und Sorgen relativiert. Das Dojo habe ich seither nie wieder besucht, allerdings hat es mich neugierig gemacht auf andere Meditationstechniken, die ich daraufhin ausprobiert habe und nun gelegentlich praktiziere.

Foto: Dirima – Fotolia