Wellness Plus: Der Bericht (Teil 1)

Die Wellness Plus hat begonnen. „Toll!“, dachte ich. Da ich noch nie auf einer Messe war und meinen Horizont erweitern wollte, ging ich gestern hin. Nur soviel vorweg: Mein Horizont ist erweitert. Aber irgendwie anders, als gedacht…

Was ich als Neuling in Sachen Messebesuch gelernt habe:

Lektion 1: Schlange stehen erhöht die Vorfreude.
Man muss schon vollkommen überzeugt von so einem Messebesuch sein, wenn man in das Foyer des Eingangs „Süd“ schlendert. Mehrere Kassen, nicht enden wollende Warteschlangen. Da ist Geduld gefragt, die habe (hatte) ich zweifellos, was mich dazu brachte, locker zu bleiben und die Zeit des Wartens sinnvoll zu nutzen: Analyse des restlichen Publikums! Schulklassen, ältere Ehepaare und ganze Seniorengruppen, vereinzelt einige Familien mit Kindern. Gut, wer soll auch sonst Zeit und Muße finden, an einem Mittwochmorgen die Grüne Woche zu besuchen. Die Wartezeit ging dank der motivierten Kassierer schnell vorbei, ich erstand meine Eintrittskarte und ging, bewaffnet mit vielen Erwartungen, Zettel, Stift und Spannung in die Halle 2.1.

Lektion 2: Nett kommt vor Verkaufen!
Eingetreten in den Raum der Begierde verschaffte ich mir einen groben Überblick über die Messestände und schlenderte durch die Halle. Eine nette Mitarbeiterin sprach mich an und drückte mir einen Flyer in die Hand. Ich könne meine Haare entfernen lassen, dauerhaft, das wäre ganz praktisch und sie könne mir auch einen Gutschein ausstellen. Überwältigt von dem Redeschwall fragte ich zögerlich nach den Kosten. Ach, das ginge so ab 50 Euro los. Natürlich bräuchte man schon ein paar Sitzungen, bis auch das letzte Haar dank der innovativen und einzigartigen Technik verödet wäre. Sie war so nett, deswegen wollte ich nicht unfreundlich sein und stellte noch ein paar semi-interessierte Fragen. Das Gerät beäugte ich dabei aus dem Augenwinkel. Es sah aus wie eine teure Mülltonne mit einem Display. An der Seite hing etwas, dass eine auffällige Ähnlichkeit mit meinem Handstaubsauger zu Hause hat. Nun gut, wenn´s schön macht.

Einige Stände später nahm mich eine weitere Vertreterin ins Visier. Sie hielt mir einen Würfel Zucker hin, darauf träufelte sie ein Öl. Ich sollte ihn mir in den Mund stecken. Weil ich abenteuerlustig bin tat ich, wie mir geheißen. Dann begann die nette Frau damit, mir die Vorteile dieses Öles vorzutragen. Weil ein bestimmter Stoff (war es Menthol??) nicht drin ist, riecht das Zeug gut, nicht so scharf wie vergleichbare Produkte. Während sie redete war ich nur damit beschäftigt, den Würfelzucker irgendwie in meinem Mund kleinzukriegen. Das Ding wollte sich einfach nicht auflösen. Kauen kam gar nicht in Frage, es gibt für mich nichts schlimmeres, als auf purem Zucker herumzubeißen. Nachdem ich die Prüfung gemeistert hatte und endlich auch einmal etwas sagen wollte, sah sie mich mich an: „Haben Sie Schnupfen?“ Ich entgegnete etwas zögerlich: „Naja, eine Allergie.“ Sogleich schlug sie mir vor, das Öl doch unter die Nase zu reiben. Ich tat es und hatte noch lange etwas davon: Als ich später die Halle verließ, brannte das Teufelszeug immer noch. Aber ich konnte wenigstens einige Fragen loswerden, die alle zu meiner vollsten Unzufriedenheit beantwortet wurden. Einen Flyer gäbe es nicht, einen Internetauftritt ebensowenig. Dafür hätte man keine Zeit. Ich verzichtete auf die Frage nach den Kosten.

Lektion 3: Umsonst heißt zugreifen, ohne Rücksicht auf Verluste.
Die Grüne Woche ist bekannt dafür, dass man einige Köstlichkeiten probieren kann. Das hatte ich zumindest gehört und extra nicht gefrühstückt. Beim erneuten Herumschlendern, mit brennender Nase und sinkender Euphorie, sprach mich ein Mann an: „Hier schauen Sie, Sie können dort unseren Joghurt probieren.“ Vielleicht sah ich wirklich etwas hungrig aus. Ich näherte mich dem Stand, doch ich war nicht allein. Eine Seniorengruppe hatte die Gratisproben schon vor mir entdeckt. Sofort umzingelten sie die junge Frau, die für das Nachfüllen verantwortlich war. Ich streite ungern um mein Essen, besonders nicht um schnöden Joghurt. Also ließ ich die Leute zurück. Sie waren scheinbar hungriger als ich. Es gab ja noch soviel zu entdecken: Wellness-Reisen, Sportvereine und Luxusduschzusätze zum Beispiel.

Fazit
Die Messe zeigt viele, meist sehr kostspielige Dinge. Der Gesundheitsparcour war ständig belegt. Auf eine Schnuppermassage vor den Augen einer Reisegruppe habe ich verzichtet. Was mich aber, abgesehen von dem finanziellen Faktor sehr enttäuscht hat, waren die unzähligen Produkte, die ich schon kannte. Der Kopfmassierer, ein alter Hut. Massagesessel und -matratzen kann man auf jeder Butterfahrt erstehen. Nordic-Walking kennt man mittlerweile auch im letzten Winkel Deutschlands und Ägyptische Erde sah schon Anfang der 90-ger aus, als hätte man sein Antlitz gerade in purem Selbstbräuner gebadet, aber den Rest des Körpers dabei glatt vergessen. Außerdem gab es viele Sachen, die die Welt nicht braucht: Noch eine Sauna-Schwitzkabine (als wäre die Sauna gestern erfunden worden) und Lippenstifte, die beim Auftragen erst in ihre endgültige Farbe wechseln, Duftholz, dass mir schon im Vorbeigehen Kopfschmerzen bescherte und vieles mehr. Einige Highlights waren wohl dabei, das will ich der Messe gar nicht absprechen. Aber ob sich der kombinierte Eintrittpreis von 12 Euro für Normalsterbliche wirklich lohnt, ist mehr als fraglich.