Über Wellness und Askese

Wer im Netz nach Schätzen gräbt findet oft nicht viel mehr als ein paar kleine goldene Nuggets, die zwar die Motivation zum Weitersuchen im Fluss halten, aber eben nicht viel mehr.

Hin und wieder, wenn du schon gar nicht mehr daran denkst, liegt er plötzlich vor deinen Füßen: Ein  Text, der mehr ist als die Summe seiner Worte. So ging es mir heute Morgen, als ich meine Google Alerts nach Sinn durchsuchte und ihn plötzlich auch fand.

Der Text ist der zweite Teil eines Essays mit dem Titel „Genuss und Askese in der Leistungsgesellschaft“ von der freien Autorin und Philosophin Svenja Flaßpöhler, veröffentlicht auf der Seite des Deutschlandradios. Es geht um den schmalen Grat, auf dem der moderne Mensch wandeln muss: Er will genießen, doch muss sich dabei trotzdem disziplinieren. Andererseits: Was ist Genuss, wenn man ihn nicht genießen kann? Ein Beispiel findet sich immer wieder, wenn mehrere Menschen sich zum gemeinsamen Essen versammeln. Es wird gegessen, durchaus auch genussvoll, aber meistens gibt es einen oder zwei, die sich dem Genuss nicht bedingungslos hingeben, sondern vornehm und diszipliniert den oft beschriebenen Rest auf dem Teller lassen. Die Anderen werden es ihnen möglicherweise gleichtun und dann sitzen mehrere Menschen am Tisch mit noch halb leeren Magen. Auf der anderen Seite gibt die Autorin zu bedenken, dass auch der unkontrollierte Genuss gefährlich ist.

Doch was ist Essen in einer Gesellschaft, in der man sich nicht satt essen will/darf? Svenja Flaßpöhler befürchtet, es verkommt mehr und mehr zum Kult, der nicht der Sättigung, sondern nur noch dem Erlebnis des Geschmackes dient. Ernährung also nicht mehr zur Aufrechterhaltung der Gesundheit, sondern als Akt, der von Ritualen und Kulten durchzogen ist, die ihn entfremden, was wiederum unseren Genuss, aber auch den Drang stärkt, dem standhaft zu widerstehen. Je gediegener das Ambiente, desto hungriger muss man nach dem Essen sein. Welche Folgen das hat, und was Odysseus und die „Dialektik der Aufklärung“ von Horkheimer/Adorno damit zu tun haben? Wer Lust hat, diese und andere Dinge herauszufinden, sollte den Text lesen.

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessern. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.