Taijiquan: Schattenboxen

Taijiquan ist in China ein Volkssport und prägt dort das Stadtbild durch viele Übende, die sich meistens in den Morgenstunden treffen, um gemeinsam dem Schattenboxen zu frönen.

In Deutschland ist uns der Begriff Tai Chi sehr geläufig. Der eigentliche Begriff für die Mischung aus Kampfkunst und innerer Balance ist aber Tàijíquán. Das klingt für die europäische Zunge zunächst sehr kompliziert.

Die Ursprünge der Kampfkunst sind unsicher, da die Meister oft Analphabeten waren und ihr Wissen von Mund zu Mund weiter gaben. Das ist insofern problematisch, als das dieses Wissen keinen eindeutigen Quellen zugeordnet werden kann. Darüber hinaus vermittelt dieser Text zur Geschichte von Taijiquan noch ein anderes, nicht zu unterschätzendes Problem: Die Kunst wurde bis vor etwa 100 Jahren nur innerhalb einer Familie weitergegeben und war eher ein Geheimnis, das gehütet werden musste. Zwar hat sich dieser Aspekt in der modernen Zeit gelockert, aber in seinen Ursprüngen ist er noch zu spüren. Nämlich z.B. dann, wenn ein Lehrer nicht sein gesamtes Wissen an seinen Schüler weitergibt. Da wird die Vergangenheitsforschung zum Puzzlespiel.

Woher die Bewegungs- und Kampfkunst auch immer kommen mag, sie gliedert sich bis heute in unterschiedliche Stile, wobei Yang-, Chen- und Wu-Stil die wohl bekanntesten Stile sind. Eines haben alle Stile gemeinsam: Da Taijiquan eng mit dem Daoismus verbunden ist, steht das Qi für die im Körper fließende Energie im Zentrum. Es soll durch die Bewegung wahrgenommen und kontrolliert werden.

Die deutsche Bezeichnung „Tai Chi“ ist eigentlich eine falsche Übersetzung des ursprünglichen Begriffs, weil hier die Komponente des Kampfes fehlt, die durch den letzten Teil „quan“ (Faust) ausgedrückt wird. Weil aber hierzulande der Entspannungsaspekt im Vordergrund steht, wird das sogar bewusst gemacht.

Im zweiten Teil dieses Beitrags beschäftige ich mich mit einigen Grundregeln, die besonders für Anfänger hilfreich sind.