Entspannung kostet! In den meisten Fällen sind wir auch bereit, dafür angemessen zu zahlen. Eine Massage nach dem stressigen Arbeitstag oder einen Wellness-Urlaub gönnt man sich ab und an. Aber nicht immer sitzt das liebe Geld locker…
Was kommt in diesem Fall gelegener, als kostenlos zu entspannen. Ja! Völlig ohne zu bezahlen. Gibt es nicht? Gibt es doch! Das Online-Kaufhaus “libri” bietet derzeit einige kostenlose Hörbücher zum Download an. Neben Krimis und Kinderhörbüchern finden wir an dieser Stelle auch “Die Übung des goldenen Lichts”. Schon der Titel klingt besänftigend und entspannend. Ein Druck auf den Download-Button und die etwa 30-minütige Übung wird auf dem PC gespeichert.
Doch was verbirgt sich hinter dem Titel?
Ich teste ja gern und war total gespannt auf die, als Hypno-Audio angepriesene, CD. Pilatesmatte auf dem Boden ausgebreitet und “Play”! Das beginnt ja schon ganz gut, dachte ich, als ich die Einleitungssequenz beruhigender Musik hörte. Mit geschlossenen Augen folgte ich nun den Instruktionen des Sprechers. Zugegeben, als der plötzlich auf meiner neuen CD erschien, wollte ich “STOP” drücken, denn seine Stimme und besonders die Art zu sprechen ist, nunja, gewöhnungsbedürftig. Aber im Auftrag der Entspannung versuchte ich mich dann auf seine deplatzierten Betonungen und laaaaaaang gezogenen Vokale einzulassen. Siehe da, es funktionierte. Die Übung erinnert mich etwas an Meditation, hat aber Elemente des autogenen Trainings. Wie sie endet, kann ich nicht sagen, denn irgendwann schlief ich ein…
Wer “Die Übung des goldenen Lichts” bis zu Ende hören möchte, kommt direkt hier zum Download.
Autogenes Training ist, neben Yoga, Progressiver Muskelentspannung, Meditation und Atementspannung, eine ganzheitliche Entspannungstechnik zur Selbstentspannung, die auf Auto-Suggestion beruht. Ähnlich wie während einer Hypnose-Sitzung erlangt man einen Zustand der Trance. Der Unterschied liegt jedoch darin, dass man diese Form der Entspannung selbst herbeiführt. Erfunden wurde das Verfahren in den 1920-er Jahren von dem Nervenarzt J.H. Schultz. Während der Behandlung seiner Patienten mit Hypnose hatte er Beobachtungen durchgeführt und diese systematisiert.
Autogenes Training kann jeder in Kursen über wenige Wochen erlernen. Die im Kurs vermittelten Inhalte, sollten zwei- bis dreimal täglich geübt werden, bis der Körper auf die Suggestion reagiert. Das autogene Training besteht aus einer Grund- und einer Oberstufe. Beide sind mit etwas Ehrgeiz und der richtigen Anleitung relativ gut zu erlernen.
Die Grundstufe beinhaltet zunächst Übungen zur Wahrnehmung von Schwere, Atmung und Wärme. Praktisch heißt das also: der Lernende stellt sich vor, dass bestimmte Körperteile ganz schwer bzw. warm werden. Dafür benutzt er eigene Sätze. Das Gleiche gilt für die Atemübungen. Hier könnte der Satz beispielsweise “Mein Atem ist ganz ruhig.” heißen. Um die Schwierigkeit zu erhöhen, kann man in dieser Stufe Bauch-, Herz- und Stirnübungen machen. Bei der Bauchübung wendet man die Erkenntnisse aus der Wärmeübung an: die Konzentration wird auf den Oberbauch gelenkt und die Wärme dorthin geleitet. Durch die Herzübung kann man den Schlag des Herzens verlangsamen und beruhigen. Der Satz für die Stirnübung könnte lauten: “Mein Kopf ist leicht”. Die Sätze werden aber nicht ausgesprochen, sondern nur gedacht. Auch der Kursleiter darf während der Übungen keine Sätze zur Entspannung äußern. Es würde sonst die Gefahr bestehen, dass eine Hypnose stattfindet. In diesem Fall könnte sich der Lernende später nicht selbst in Trance versetzen.
Beherrscht man diese Grundtechniken, kann man sich in der Oberstufe mit selbst gewählten Vorstellungen entspannen. Das können Bilder oder Situationen sein. In der praktischen Ausführung bedeutet dies, dass man eine Situation so wie in der Realität erleben kann. Dabei gelangen sehr Geübte dann durch den Zustand der in der Grundstufe geübten Entspannung zu neuen Problemlösungs-Strategien.
Autogenes Training findet aber nicht nur bei Entspannung und Stress Anwendung.
Durch die Übungen kann man laut medizininfo.de sogar Herz-Kreislauf-Beschwerden, Hypertonie, Magenkrankheiten, Schlafstörungen, Hyperaktivität, Asthma, Schmerzen im Allgemeinen und im Besonderen (z.B. Migräne) und innere Unruhe bekämpfen.
Es gibt aber auch Krankheiten, bei denen sich die Meinungen über die Wirksamkeit der Autosuggestion spalten. Dazu gehören grob gefasst alle psychosomatischen Beschwerden, Angstzustände und auch mittlere bis schwere Depressionen. Einige psychanalytische Studien heben die Wirksamkeit bei den genannten Störungen hervor. In gegenläufigen Ansichten wird Autogenes Training in diesem Fall abgelehnt, da es im Grunde ja auf einem Rückzug von der Außenwelt basiert, der in diesem Fall kontraproduktiv wäre und verschlimmern statt heilen würde. Wer die Welt der Autosuggestion erleben möchte sollte sich bei seiner Krankenkasse informieren. Einige Kassen bezahlen die Kurse!