Im Wartezimmer der Wellnesspraxis

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich hier über Wellness beim Zahnarzt berichtet. Konkret ging es da um die Praxis „KU64“ am Berliner Kurfürstendamm.

Vorgestern hatte ich endlich die Gelegenheit, das Ambiente mit eigenen Augen zu betrachten. Wer sich jetzt die Frage stellt, was man an einem Sonntag beim Zahnarzt macht, dem sei gesagt: Patienten in dieser Luxuspraxis genießen den Vorteil einer 7-Tage-Betreuung. Ich betrat die Räume der Zahnarztgemeinschaft und – wer hätte das gedacht – es roch so, wie es eben beim Zahnarzt riecht. Das ist eigentlich nicht weiter schlimm, aber aus irgendwelchen Gründen hatte ich erwartet, dass es das nicht tut. Am Empfangstresen begrüßte man uns – ich begleitete meinen Bekannten, der mir von der Praxis erzählt hatte – etwas reserviert. Gute Laune sieht irgendwie anders aus, dachte ich mir, es sei der jungen Dame aber verziehen, denn schließlich kamen wir eine Stunde zu spät. Nun gut, mein Bekannter wollte sich vor der Untersuchung frisch machen und erhielt prompt eine der Einweg-Zahnbürsten, von denen man auf der Homepage liest.

Ich machte es mir derweil gemütlich: Erst im „Warteraum“. Hier der Kamin, einige Liegen, in denen man wahrscheinlich einschläft und davon träumt, gerade nicht beim Zahnarzt zu sein, viele Zeitschriften, wie sich das eben für ein Wartezimmer gehört und ganz viel Design. Briefpapier lädt dazu ein, mal wieder an seine Freunde und Verwandten zu schreiben, den Brief kann man dann am Empfang abgeben. Was schreibt einer, wenn er im Wartezimmer der wahrscheinlich am teuersten ausgestatteten Praxis Berlins sitzt? Nun gut, mein Blick fiel auf eine Mappe, in der alle Mitarbeiter mit Spezialgebiet und Foto zu sehen sind. Darüber hinaus enthält diese Mappe auch Vorschläge für Dinge, die man so mit seinen Zähnen tun kann: Prothesen, Bleeching und und und. Werbung in eigener Sache sozusagen und das scheint auch das Konzept zu sein, denn wie mein Freund mir erzählte, sind die Mitarbeiter ganz klar darauf konditioniert, dem Klienten Verfahren vorzuschlagen, die natürlich nicht immer billig sind und teilweise mehr ästhetischen als medizinischen Charakter haben. Aber was erwartet man auch? Diese Einrichtung, die vielen kleinen Servicekinkerlitzchen, das alles hat seinen Preis. Ich ging hinaus auf die Dachterasse, setzte mich in ein muschelartiges Etwas und genoss einfach die Sonne. Getränke und frisches Obst, das wird ja auf der Homepage von KU64 ebenfalls angepriesen, gab es übrigens nicht. Ob das am Zuspätkommen lag?