Blutegeltherapie

Die Blutegeltherapie ist wenig bekannt, kann aber viele gesundheitliche Probleme lösen.

Blutegel – für einige ist das Wort bereits ein einziger Graus, während manche spätestens beim Anblick der kleinen Blutsauger in Ohnmacht fallen.
Dabei gibt es gute Gründe, den Ekel vor dem Tier abzulegen, denn:

Blutegel sind Therapeuten im Miniformat!

Die Blutegeltherapie ist sowohl im medizinischen als auch alternativmedizinischen Bereich eine wirksame Heilmethode für eine Vielzahl von Beschwerden im Körper. Und zwar seit langer Zeit:
So wurde der Nutzen des kleinen Tieres beispielsweise schon im Jahre 100 vor Christus von dem griechischen Arzt Nikandros von Colophon erkannt und geäußert. Wer mehr über die kleinen Blutsauger wissen möchte, kann sich u.a. hier näher darüber informieren.

Eine Frage beschäftigt nun sicherlich so manchen Leser: Wieso ist es für den Menschen nützlich, wenn sich der kleine Egel parasitär seines Blutes bedient?
Die Erklärung muss in mehrere ‚Etappen’ aufgegliedert werden:

Der Nutzen…

… des Blutegels liegt unter anderem in dessen Speichel begründet. Dieser setzt sich aus diversen Substanzen zusammen, unter anderem aus

  • Hirudin und
  • Calin,

welche beide die Blutgerinnung hemmen. Hirudin sorgt noch beim „Saugakt“ dafür, dass die Wunde geöffnet und das Blut flüssig bleibt, während Calin danach einen milden „Aderlass“ ermöglicht – welcher neben dem Saugen ebenfalls als therapeutische Maßnahme angesehen wird.
Darüber hinaus befinden sich noch weitere, teilweise entzündungshemmende, Wirkstoffe im Blutegel-Speichel.

Den Blutegel anzuwenden…

… bedeutet ihn beißen zu lassen. Doch keine Angst: Der Schmerz ist vergleichbar mit einem Mückenstich. Hat sich der Blutegel einmal „festgebissen“, saugt er ca. 30 Minuten lang und fällt dann meist von selbst wieder ab. (Üblicherweise nutzt man während einer Behandlung gleich mehrere Tiere.)
Damit ist die Therapie aber noch nicht beendet, denn das danach einsetzende ca. 12 Stunden anhaltende, tröpfchenartige Nachbluten der Bisswunde ist ebenso gewollt wie wirkungsvoll.

Blutegel sind zwar nicht verschreibungspflichtig, doch sollte man zum Ausschluss von Gegenanzeigen und zur Vermeidung von Anwendungsfehlern einen fachkundigen Therapeuten mit der Durchführung der Blutegeltherapie beauftragen.

Die Wirkung

… der Blutegeltherapie ist quasi eine ‚zweispurige’:

Während der sanfte Blutentzug als allgemein beruhigend, entzündungshemmend, krampflösend und entgiftend gilt, hemmt das über den Blutegel-Speichel freigesetzte Hirudin die Blutgerinnung, wirkt antithrombotisch und beschleunigt den körpereigenen Lymphstrom.

Die Anwendungsgebiete…

… der Blutegeltherapie sind vor allem dort anzutreffen, wo etwas nicht mehr richtig „fließt“, sei es Blut oder Lymphwasser. So kann eine Therapie mit Egeln beispielsweise bei Stauungen in den Venen und Lymphgefäßen, Blutergüssen, Venenentzündungen, Gefäßverkalkungen, aber auch bei rheumatischen Entzündungen, Arthrosen und sogar bei Kopf- und Rückenschmerzen, Menstruationsbeschwerden, Depressionen und Ohrgeräuschen helfen.

Außerdem findet die Blutegeltherapie in der plastischen Chirurgie Verwendung, etwa dann, wenn Körperteile, die abgetrennt waren, wieder anwachsen müssen. Die Anwendung des Blutegels kann in diesen Fällen verhindern, dass es beispielsweise zu einer Nekrose (Absterben von Gewebe) kommt.

Als Gegenanzeigen und Nebenwirkungen…

… sind unter anderen diese hier zu erwähnen:

Bluter sowie Patienten, die Quecksilbermedikamente einnehmen, bzw. solche mit einer starken Anämie (Blutarmut) oder einer vorhandenen Immunsuppression müssen von einer Therapie mit Egeln absehen. Ebenso dürfen Menschen, die auf die Wirkstoffe der Blutegel allergisch reagieren, die Blutegeltherapie nicht durchführen.

Schwangere, Stillende und Menschen mit starker Narbenbildung sollten eine Behandlung mit Egeln genau abwägen. Außerdem dürfen die Tiere nicht auf erkrankten, schlecht durchbluteten oder zu dünnen Hautpartien angewendet werden.

Darüber hinaus ist das Infektionsrisiko nicht zu unterschätzen. Obwohl die zur Therapie genutzten Tiere in der Regel immer aus Zuchten stammen, sind Blutegel potentielle Krankheitsüberträger.

Als mögliche Nebenwirkungen sind u.a. lokale Hautreaktionen und Kreislaufschwäche bzw. in selteneren Fällen Wundinfektionen zu nennen.

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