Badekultur im alten Rom

Passend zur Fortsetzung unserer Rück-Sicht auf die Geschichte der europäischen Badekultur machten Wissenschaftler nun eine Entdeckung im heutigen Haifa.

Israelische Archäologen legten dort eine Badeanlage aus dem 5. Jahrhundert n. Chr. frei, die offenbar Teil eines Privatanwesens war. Die Anlage stand scheinbar nicht hinter heutigen Wellness-Anlagen zurück: Sauna, Kaltwasserbecken, ein Ruheraum mit Fußbodenheizung. So ließ es sich als reicher Angehöriger des Byzantinischen Reiches schon vor 1500 Jahren sehr gut leben. Das Byzantinische Reich hatte in der Geschichte der europäischen Badekultur einen besonderen Stellenwert, denn hier wurden die Traditionen der römischen Badekultur nach dem Zerfall des Römischen Reiches weitergeführt. (siehe auch „Eine Zeitreise in die Ürsprünge europäischer Badekultur“)

Im Römischen Reich wusste man sich aber schon viel früher rundherum zu entspannen: Im Jahre 305 v. Chr. entstand die erste große Wasserleitung, die in ein Becken mündete, das wohl als erstes öffentliches Bad fungierte. Zu dieser Zeit war man gemeinhin noch der Ansicht, kaltes Wasser würde die einzig richtige und gesunde Temperatur für den Mann sein. Doch mit der Zeit entdeckten auch die alten Römer, dass warmes Wasser ebenfalls gesund und vor allem entspannend sein kann. Wie ein Römisches Bad aufgebaut war ist schon beeindruckend. Mehr darüber lesen Sie noch in dieser Woche!

Zunächst bleiben wir noch ein wenig der Historie verbunden und versuchen uns hineinzudenken, in die Blütezeit des Römischen Reiches. Wären wir ein Römer gewesen müssten wir nicht lange überlegen, was wir mit unserer Zeit anfangen: Ein Besuch eines der vielen, unheimlich luxuriösen und prächtigen Bäder mit unseren Freunden wäre sicher erste Wahl in der Freizeitgestaltung. Bäder wurden oft von Herrschern und anderen einflussreichen Menschen errichtet und waren der Öffentlichkeit frei zugänglich. Eine sehr gute Infoseite* beschreibt dies folgendermaßen:

„In den Verwaltungszentren des Reiches und insbesondere in Rom gehörten öffentliche Bäder zum normalen Lebensstandart der römischen Bürger – oft sehr großzügig angelegt und mit einem unbeschreiblichen Luxus ausgestattet – vergoldete Wasserhähne, die Wände mit kostbaren Mosaiken und Fresken versehen. Es kam nicht selten vor, daß die Becken und Fußböden aus rosafarbenem Marmor bestanden. auch eine Zentral- und Unterbodenheizung kannte man damals schon. Das bekannteste und wohl auch schönste Bauwerk seinerzeit war die Therme des Kaisers Caracalla zu Rom. Obwohl dieses Bad eine kaiserliche Therme war, so stand es doch als öffentliche Badeeinrichtung den Menschen von Rom zur Verfügung. Es war damals durchaus üblich, daß reiche Leute oder gar Kaiser Bäder errichten ließen und diese dann als öffentliche Badeanstalten ausgewiesen wurden.“ Quelle

Das Bad war nicht nur gesellschaftlicher, sondern auch kultureller Fixpunkt und so trieb man Sport, traf andere Menschen, führte angeregte Diskussionen, entspannte, nahm Sonnenbäder, aß gut und viel und wandte sich der Literatur und Kunst zu. Verbunden mit dem prächtigen Ambiente muss das wundervoll gewesen sein. Durch die weitläufige Expansion des Reiches wurden derartige Anlagen weit verbreitet.

4 comments

  1. Toller Artikel! Es wäre noch interessant zu wissen, wie es sich zwischen den Geschlechtern verhielt: namen an den Badefreunden auch die Frauen teil? Oder nur die Sklavinnen und Lebedamen? Oder gar keine?

  2. Eine sehr gute Frage! Jeder durfte die öffentlichen Bäder benutzen. Große Bäder trennten die Geschlechter räumlich, kleinere taten dies zeitlich, mit unterschiedlichen Badezeiten. Ich meine aber gelesen zu haben, dass in einigen Bädern die Frauen mehr bezahlen mussten, als die Männer.

  3. Danke für den artikel ,hat mit bei meinem Referat sehr geholfen, aber ich hätte da noch eine Frage:
    Durften Sklaven auch baden(in ihrer Freizeit)?
    Oder waren sie in Bädern nur als Bedienstete tätig?

  4. Ich habe mich mit dem Thema leider nicht beschäftigt, gehe schätzungsweise aber eher davon aus, dass – auch wenn das Bad „öffentlich“ war – es Sklaven nicht bzw. nur auf Geheiß des Sklavenhalters erlaubt war, darin zu baden. Das ist aber – wie gesagt – nur eine Vermutung!

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